Maritime Minenabwehr: Kernfähigkeit der Marine erhalten

Zu den ersten Marineeinsätze der Bundeswehr unter Bedrohung zählte die Aufgabe, 1991 im Persischen Golf Minen zu räumen, die nach dem Golfkrieg die Schifffahrt gefährdeten. Die für ihre Professionalität bekannten Besatzungen der deutschen Minenjagdboote repräsentierten damals wie heute eine wichtige Kernkompetenz jeder Seestreitkraft. Warum ist sie so wichtig und wie kann sie der Bundeswehr erhalten bleiben?

Die Bedeutung von Maritimen Minenabwehreinheiten kann an einem einfachen Szenario veranschaulicht werden. Dazu muss man sich kurz vor Augen führen, dass zwölf Prozent des weltweiten Seehandels jährlich den Suezkanal passieren.


Meldete nun ein Staat oder eine Gruppierung, man habe auch nur eine einzige Mine in den Zufahrten gelegt, würde der Suezkanal nicht mehr von Schiffen durchfahren werden können, da Versicherungen potenzielle Verluste nicht abdecken würden. Ob tatsächlich eine Mine ausgebracht oder dies nur behauptet würde, spielt dabei zunächst keine Rolle.


Was eine De-facto-Sperre des Suezkanals bedeuten würde, konnte man sehr gut anhand des Frachters“ Evergreen“ sehen, als dieser den Suezkanal 2021 für einige Tage blockierte. Mehrengen und viel befahrene Seerouten sind besonders anfällig und als Lebensadern von enormer wirtschaftlicher und geostrategischer Bedeutung.


Um einen ähnlichen Effekt überall auf der Welt zu erreichen, muss letztendlich lediglich behauptet werden, dass Minen gelegt wurden. Dies lässt sich über die bekannten Online-Kanäle und unter Begleitung weiterer Propaganda oder Fehlinformationen leicht bewerkstelligen. Die Folge: Es muss ein enormes Maß an Aufwand betrieben werden, um das Seegebiet zu untersuchen und gegebenenfalls sogar wieder frei von tatsächlichen Minen zu bekommen.


Ein weiterer wichtiger Auftrag der Minenjäger ist es, die selbst im Jahr 2022 noch enorme Menge sogenannter „Altlasten“ aus den Weltkriegen in der Ostsee aufzuspüren und zu entfernen. Diese Seeminen tragen nach wie vor Sprengstoff in sich.


Abschließend kann mit Fug und Recht bilanziert werden, dass die Deutschen Streitkräfte eine Minenabwehrfähigkeit nicht nur benötigen, sondern sie zu ihren wichtigsten Fähigkeiten gehört - im Verteidigungsfall ebenso wie zu Friedenszeiten. Dabei ist das Räumen von Minen eine absolut notwendige defensive Maßnahme, die die Weltmeere im Einklang mit dem Völkerrecht sicherer macht.



Wie ist es um die Fähigkeiten der Marine aktuell bestellt?


Von ehemals 70 Minenabwehrfahrzeugen bleiben der Marine heute noch zwölf. 10 Minenjagdboote der Klasse 332, sowie 2 Hohlstablenkboote der Klasse 352. Die Minenjagdboote suchen mittels SONAR den Meeresboden nach Minen ab. Die Hohlstablenkboote führen sogenannte Drohnen mit, welche die Magnet- sowie Akustiksensoren der Minen ansprechen.


Diese Einheiten wurden in den 1980er und 1990er in Dienstgestellt und kommen, wie beispielsweise die „Tornado“-Flugzeuge der Luftwaffe, in die Jahre. Ähnlich wie beim Tornado auch, muss nun eine Entscheidung über eine Nachfolge im Raum stehen, da unsere Marine ansonsten diese so wichtige Fähigkeit verlieren wird. Zwar wurden einige Boote in der letzten Zeit modernisiert, jedoch verschafft uns das lediglich genug Zeit, eine vernünftige Nachfolge zu planen. Lernen sollte man nicht nur aus der rüstungspolitischen Entscheidung: Zunehmend wurden unsere Minenjagdboote im letzten Jahrzehnt auch aufgabenfremd eingesetzt, was dem Erhalt der Fähigkeiten nicht unbedingt dienlich war. Zwar sind Minenabwehrfahrzeuge auch hervorragende Patrouillenboote. Doch dafür wurden die bei UNIFIL eingesetzten Einheiten initial weder gebaut noch angeschafft. Zur Erhalt der militärischen Fähigkeiten zählt neben Material also auch das wichtigste Asset der Bundeswehr - der Mensch.

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