Der SWIFT-Ban und seine potentiellen Auswirkungen

Grundsätze


Mittels SWIFT wird der weltweite Zahlungsverkehr abgewickelt. Es handelt sich um standardisierte Nachrichten für eine Vielzahl von Finanzinstrumenten, so etwa auch die klassische Überweisung. Das Ausschließen Russlands aus SWIFT hätte zur Folge, dass jeglicher internationaler Zahlungsverkehr von und nach Russland gestoppt würde. Im Gegensatz zu den bisher beschlossenen Sanktionen, hätte dies also flächendeckende und weltweite Auswirkungen.

Auch Banken in der Schweiz oder anderen Ländern könnten keine Transaktionen mehr mit Russland abwickeln.



Auswirkungen auf die Russländische Föderation


Da der russische Staatshaushalt sich zu 60% aus Rohstoffexporten finanziert, würde damit die Hauptgeldquelle abgestellt. Die Finanzierung des Krieges würde bedeutend schwieriger. Transaktionen innerhalb Russlands wären nicht betroffen, da nach 2014 ein eigenes nationales System aufgebaut wurde.

Geldverkehr mit China wäre auch möglich, hier existiert ebenfalls ein eigenes System. Zusammengefasst bedeutet das für Russland eine flächendeckende Katastrophe für die gesamte Wirtschaft und den Staatshaushalt. Umgehen könnte man das nur mit komplizierten Rohstofftauschsystemen.



Auswirkungen auf Deutschland


Wenn keine Finanztransaktionen nach Russland mehr möglich sind, bedeutet das auch, dass Deutschland das russische Gas nicht mehr bezahlen kann. Russland würde seine Lieferungen einstellen. Aktuell sind nach dem Kenntnisstand des Autors die Gasspeicher für 2-3 Monate gefüllt. Also genug Zeit um über Rotterdam und das UK-Gasnetz LNG (Liquefied Natural Gas oder Flüssigerdgas) nachzuliefern - denn deutsche Terminals haben wir nicht.

Massive Preissteigerungen wären die Folge, die nur durch eine weitgehende Nationalisierung des Gasmarktes abgefedert werden könnten. Hier bestehen allem Anschein nach bereits entsprechende Pläne im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.



Auch das Bankwesen wäre betroffen


Weiterhin hätte ein SWIFT-Ban auch große Auswirkungen auf deutsche Banken, allen voran Commerzbank und Deutsche Bank. Kredite, die an russische Akteure vergeben wurden, könnten so nicht mehr zurückgezahlt werden. Das Correspondence Banking (Abwicklung von US Dollar Transaktionen für russische Banken) müsste eingestellt werden. Der Schaden würde voraussichtlich in Milliardenhöhe ausfallen. Zusammenfassend bleibt die Frage, ob wir Deutschen bereit sind, massiv höhere Energie- und Gaspreise zu akzeptieren. Doch im Angesicht der russischen Aggression ist dieser Preis klein. Zahlen wir ihn nicht, finden wir uns in einem Jahr in einer Sicherheitsordnung wieder, die uns viel teurer zu stehen kommt.

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